Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

Wo Schreiben heilsame Wirkung erzielen kann – Kreative Schreibwerkstatt

Wo Schreiben heilsame Wirkung erzielen kann – Kreative Schreibwerkstatt

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Teilnehmerinnen der Kreativen Schreibwerkstatt vollauf zufrieden mit Ergebnis

Wie ist das denn so, „Wenn das Unbewusste sich auf den Weg macht und einen Stift in die Hand nimmt“? So lautet der Titel des kleinen Büchleins, das vor Kurzem zehn Frauen zum ersten Mal in den Händen halten durften. Es ist eine Auswahl ihrer Texte, die sie in der Kreativen Schreibwerkstatt verfasst haben.

Der Kurs wird vom Diakonischen Werk Odenwald angeboten und richtet sich besonders an Menschen, die mitunter keine leichte Lebenssituation zu meistern haben oder hatten. Deshalb verwundert es nicht, dass in das Büchlein Texte mit einem großen Anteil an persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen eingeflossen sind. Darin liegt auch die Absicht, merken Diakonie-Mitarbeiterin Cornelia Fingerloos und die Kursleiterin, Katharina Lamprecht, bei der Abschlusspräsentation des Kurses in den Räumen des Diakonischen Werks in Michelstadt an. „In bestimmten Lebenssituationen kann das Schreiben unterstützen und bei der Neuausrichtung helfend zur Seite stehen. Schreiben kann das Wohlbefinden verbessern, das Gefühlschaos ordnen, entlasten, stärken, die Achtsamkeit und die Wahrnehmung fördern.“ So lautet es in der Kursausschreibung. Und ein Blick in die Runde genügt, um sagen zu können, dass der Kurs erfolgreich zu Ende gegangen ist.

Für die zehn Autorinnen ist es natürlich etwas Besonderes, dass die eine Geschichte oder das andere Gedicht, eine Kurzgeschichte oder auch stimmungsvolle Fotoaufnahmen in das Gesamtwerk eingeflossen sind. Keine Zweifel: Irgendwie erzählen die Beiträge zusammen eine weitere Geschichte, jene, von einem spannenden Prozess, der von viel Vertrauen und der Bildung von Freundschaften begleitet wurde. Zutreffend sprach Cornelia Fingerloos von „einem gemeinsamen Nenner“ und der „geballten Energie“, die von dem Buch ausgehen. Alle Frauen haben ihren Lebensmittelpunkt im Odenwaldkreis, was zu den Kriterien einer Teilnahme zählt. Gefördert wird das außergewöhnliche Projekt aus Mitteln der Aktion Mensch.

Die Teilnehmerinnen sind zwischen 28 und 80 Jahren alt. Und wenn Frauen aus drei Generationen zum Stift greifen, haben sie nicht nur Etliches aus ihrem Leben niederzuschreiben, sondern auch zu erzählen. Geleitet und in eine kreative Umsetzung gelenkt wurde der Prozess von Katharina Lamprecht, die als professionelle Autorin und Heilpraktikerin für Psychotherapie auch über Techniken der Gesprächs- und Gruppenführung verfügt. „Die Frauen haben sich einiges von der Seele geschrieben“, hat Angelika Gilbes ausgesprochen, was viele ebenso empfunden haben. Ihr ist es darum gegangen, emotionale Worte zu finden, um auch mitunter schmerzhaft erlebte Ereignisse zu verarbeiten. Nicht ohne Grund ist bei dem Kurs auch die Rede vom „heilsamen Schreiben“. Be- und verarbeitet wurden immerhin Momente im Leben, wie der Verlust eines nahestehenden Menschen und andere Schicksalsschläge.

Doris Herrmann, die älteste in der Runde, hat es so erlebt: „Schreiben trägt auch zum Bewusstwerden der eigenen Lücken im Leben bei. Besonders angenehm ist mir in Erinnerung die Offenheit der anderen Frauen geblieben.“ Um damit gut umgehen zu können, bedarf es klarer Regeln und Strukturen, unterstreicht Paula Emig in ihrer Schlussbetrachtung. Die Qualität des Veranstalters und der Kursleiterin auf diesem Gebiet wissen auch Lotte Treuschel und Sabine Menzer zu schätzen, für die der Kurs auch „Wissenswertes über die Eigen- und Fremdwahrnehmung“ beinhaltet hat.

Die Struktur der Schreibwerkstatt erklärt Fingerloos so: Zum Einstieg hat im Januar ein ganztägiger Kennenlerntermin stattgefunden, der auch für erste Schreibübungen genutzt wurde. Es folgten Blockveranstaltungen, die jeweils unter einem bestimmten Zitat eines bekannten Schriftstellers gestanden wie „Niedergeschlagenheit ist in Wahrheit Konzentration“ (Mario Puzo) oder „Klarheit ist die Höflichkeit des Schriftstellers“ (Jules Renard). Nach dem erfolgreichen Start ist vorgesehen, zu Beginn des nächsten Jahres wieder einen Kurs anzubieten. Für den Einführungstag ist ein Samstag reserviert. Die fünf Blockveranstaltungen finden anschließend immer dienstags mit jeweils vier Stunden am späten Nachmittag im Gruppenraum des Diakonischen Werks in Michelstadt statt. Wer jetzt schon Interesse an einer Teilnahme hat oder mehr wissen will, wendet sich an Dipl.-Sozialarbeiterin und Familientherapeutin Cornelia Fingerloos, Telefon 06061/9650-115.