Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

Wenn der Stress zu viel wird… Burnout am Arbeitsplatz

Wenn der Stress zu viel wird… Burnout am Arbeitsplatz

Bild 2 Suderleith IFD

Menschen, die emotional und körperlich tief erschöpft sind, sich ständig überfordert fühlen und nicht mehr abschalten können, beschreiben ihre Situation oft als ein „Ausgebrannt sein“. Der englische Begriff „Burnout“ hat sich inzwischen in der Medizin und in der Gesellschaft etabliert. Doch was bedeutet das genau und welche Hilfen sind möglich? Eckhard Lieberknecht, Referent für Kommunikation der Diakonie Hessen, sprach darüber mit Kathrin Suderleith vom Integrationsfachdienst (IFD) Südhessen.

 

Frau Suderleith, von einem Burnout dürfte heute jeder schon einmal gehört haben und viele kennen einen Betroffenen. Was ist eigentlich genau ein Burnout?

Zunehmend wird seit Jahren in der Öffentlichkeit vom Burnout-Syndrom berichtet. Oft ist der Begriff schwer greifbar. Burnout ist eine körperliche, gefühlsmäßige und seelische Erschöpfung, die als Folge einer Überlastung eintritt. Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Entspannung ist gestört. Folgen können Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit, Gereiztheit und Konzentrationsstörungen sein. Werden diese Anzeichen nicht beachtet, können sie sich bis zum Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Oftmals zeigen sich dann depressive Störungen, wie Antriebs- und Kraftlosigkeit, die einen Rückzug vom Partner, von Freunden und Hobbys nach sich ziehen.

Gibt es Berufsgruppen die besonders betroffen sind? Nein, prinzipiell kann jeder Mensch ein Burnout-Syndrom entwickeln, der durch seine berufliche oder private Situation extrem belastet ist und keine Möglichkeit findet, sich ausreichend zu entspannen. Selbst bei Schülern tritt diese Erkrankung schon auf.
Wie häufig tritt ein Burnout-Syndrom auf? Laut des aktuellen Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse für seine Versicherten bildeten psychische Störungen im Jahr 2018 erstmals die bedeutsamste Erkrankungsgruppe im Hinblick auf die Fehlzeiten. Im Vorjahr entfielen erstmals die meisten Krankheitsfehltage (ca. 18 Prozent) auf Erkrankungen mit Diagnosen von psychischen Störungen. Das sind etwa drei Tage im Jahr pro erwerbstätiger Person. Männer und Frauen waren gleichermaßen betroffen.

Was kann der IFD für die Betroffenen tun und für wen können Sie tätig werden?

Vielen ist nicht bekannt, dass auch eine seelische Behinderung die Beantragung eines Schwerbehinderten­ausweises rechtfertigt. Dieser ist Grundlage für die Hilfen des Integrationsamtes sowie grundsätzlich auch die Beratung durch den IFD, der bei der Beantragung unterstützt. Möglich ist aber auch eine Unterstützung der Betroffenen im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation. Hier muss keine Schwerbehinderung vorliegen. Laut SGB IX gelten Menschen als behindert, wenn ihre körperliche Funktion, ihre geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.

Was können Menschen machen, die das Gefühl haben kurz vor einem Burnout zu stehen? Prinzipiell gilt es, eine Achtsamkeit für sich zu entwickeln. Je früher ich die Überlastung spüre, desto früher kann ich gegensteuern. Bei Burnout-Syndrom ist es besonders wichtig, bereits frühzeitig ärztliche oder psychologische Hilfe zu suchen. Um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Belastung und Entspannung zu finden gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, wie beispielsweise ein besseres Zeitmanagement oder Entspannungstechniken.
Bitte erzählen Sie uns abschließend noch ein paar Worte über den Integrationsfachdienst.

Die IFD werden im Auftrag der Integrationsämter, der Rehabilitationsträger, beispielsweise der Rentenversicherung oder der Bundesagentur für Arbeit, tätig. Wir verstehen uns als professionelle Dienstleister, die schwerbehinderte Menschen bei der Teilhabe am Arbeitsleben unterstützen. IFD helfen bei der Aufnahme, Ausübung und Sicherung einer möglichst dauerhaften Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit steht deshalb die persönliche und zuverlässige Beratung und Unterstützung von schwerbehinderten Arbeitsuchenden oder Arbeitnehmern und deren Arbeitgebern. Hier im Odenwaldkreis ist der IFD in Trägerschaft des Diakonischen Werks. Ansprechpartnerinnen sind meine Kollegin Barbara Lang und ich. Sie erreichen uns telefonisch unter 06061 / 9650-122 oder -121 sowie per E-Mail: barbara.lang@dw-odw.de, kathrin.suderleith@dw-odw.de. Diakonisches Werk Odenwald Bahnhofstraße 38 64720 Michelstadt www.diakonie-odenwald.de

BILD 1 IFD Infostand beim Aktionstag

 

 

 

 

 

Der Integrationsfachdient stellt sich beim Aktionstag des Jobcenters in Erbach vor. Auf dem Foto: Barbara Lang, Conny Fingerloos und Heike Jäger vom Diakonischen Werk Odenwald (v.l.n.r.) und eine Besucherin. Foto: Bärbel Simon