Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

Experten in Sachen Betreutes Wohnen mit psychisch kranken Menschen und Migration

Experten in Sachen Betreutes Wohnen mit psychisch kranken Menschen und Migration

Mitarbeitende des Diakonischen Werkes Feiern ProjektendeDiakonisches Werk Odenwald zieht positive Bilanz nach drei Jahren Projektförderung

Zu den Schwerpunkten der Arbeit des Diakonischen Werks Odenwald (DWO) mit Sitz in Michelstadt zählt die Beratung und Betreuung von Menschen mit seelischer Behinderung oder psychischer Erkrankung. Der Bedarf steigt und mit ihm der Anteil an betroffenen Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Das DWO zieht eine positive Bilanz einer auf drei Jahre angelegten Projektförderung, die sich den besonderen Anforderungen in der Arbeit mit diesem Personenkreis gestellt hat.

Im Betreuten Wohnen für psychisch kranke Menschen sind 34 pädagogische Fachkräfte beschäftigt. Jede fünfte Person, die sie betreuen, besitzt keinen deutschen Pass, kommt aus einem Land, dessen Kultur sich teils erheblich von der deutschen unterscheidet oder gehört einer Religionsgemeinschaft an, die den meisten Einwohnern in Deutschland fremd ist. Rasch stoßen die Möglichkeiten, sich adäquat auszutauschen, Probleme benennen und Beziehungen aufbauen zu können, an ihre sprachlichen Grenzen. „Es fehlen die passenden Worte und das sozio-kulturelle Wissen, um möglichst korrekt die Befindlichkeit eines psychisch erkrankten Menschen mit Migrationshintergrund erfassen zu können“, sagt Sandra Scheifinger, die sich der besonderen Aufgabe gestellt hat, eine komplexe Problemlage in einen Projektantrag zu übertragen und die bewilligten Maßnahmen in die Praxis umzusetzen.

„Für die Durchführung des Projekts wurde eigens eine neue Vollzeitstelle geschaffen und dafür Personal eingestellt. Dafür gab es von der Aktion Mensch einen Zuschuss in Höhe von 120.000 Euro für den dreijährigen Projektzeitraum“, stellt DWO-Leiterin Bärbel Simon die Eckdaten des Programms vor. Auch mehr als zwei Monate nach Beendigung des Förderzeitraums stellen die Fachkräfte fest, dass die durchgeführten Maßnahmen ganz im Sinne einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Antragstellung ihre Wirkung nicht verloren haben. Ganz im Gegenteil: Wie Puzzleteile fügen sich die Bausteine der Projektinhalte zu einem Ganzen zusammen, von dem die betroffenen Menschen seitdem profitieren. Gefördert wurde die Erarbeitung und Verbreitung von Flyern, die zusätzlich zur deutschen Sprache in Arabisch, Englisch, Russisch und Türkisch erschienen sind.

„Es erleichtert erkennbar den Zugang zu unseren Angeboten und bindet gleichzeitig die Familienangehörigen der erkrankten Menschen stärker mit ein“, stellt Sandra Scheifinger den ersten Baustein vor. In der Praxis bildet der Anteil an Menschen aus muslimisch geprägten Ländern und Kulturen die größte Gruppe. Sie stellt auch die Mehrheit der durchschnittlich von zehn Teilnehmerinnen besuchten Frauengruppe, die im zweiten Projektjahr ins Leben gerufen wurde und durch gemeinsame Unternehmungen auf verschiedenste Weise (vom gemeinsamen Fastenbrechen nach dem muslimischen Fastenmonat bis hin zum Städteausflug und Saunabesuch) sich zu einem Freundeskreis entwickelt hat. Die Koordination und regelmäßige Gestaltung der Treffs liegen in den Händen der Mitarbeiterinnen Maria Volz und Fatma Ersoy.

Zu den großen Bausteinen zählen ferner eine Fortbildungs- und Veranstaltungsreihe, die von der Inhouse-Schulung bis zum Fachvortrag reichte, der vor einem größeren Publikum unter Einbeziehung von Fachkräften aus dem trägerübergreifenden Netzwerk sozialer Arbeit mit Migranten reichte. Von Seiten des DWO daran teilgenommen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Leitungsebene, Fachkräfte im Betreuten Wohnen bis hin zu ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlingsarbeit. „Die Veranstaltungen trugen maßgeblich dazu bei, über das eigene Kulturverständnis und Wertesystem nachzudenken und im Kontakt mit anderen Kulturen über bewusste und unbewusste Vorurteile zu reflektieren“, beschreibt die Leiterin des Betreuten Wohnens, Heike Eidemüller, den fachlichen Zugewinn. Dieser bestand auch aus Länder- und Kulturinformationen und mit der Beschäftigung, wie Rassismus entsteht und sich auf die Gesellschaft auswirken kann.

Eng verzahnt mit diesen Qualifizierungsmaßnahmen hat im Laufe des Projekts auch die Netzwerk- und Gremienarbeit im Odenwaldkreis zugelegt, die sich den Themen Migration und Integration stellt. Hierzu zählten auch Besuche und Gespräche mit Religionsgemeinschaften, von zwei Moscheen und gemeindepsychiatrischen Einrichtungen und medizinischen Zentren. Damit einher ging eine verstärkte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in der die Arbeit der Fachstelle Betreutes Wohnen für Menschen mit Migrationshintergrund in den Fokus gerückt wurde, aber beispielsweise auch die Aktivitäten der Frauengruppe. Auf ein breites Publikumsinteresse stieß die Beteiligung in der Interkulturellen Woche durch einen Markt der Möglichkeiten in Michelstadt.

Auch nach Beendigung des Projektzeitraums ist gewährleistet, dass innerhalb des DWO eine Fachkraft für migrationsspezifische Fragestellungen weiterhin als Ansprechperson zur Verfügung steht, stellt Bärbel Simon für die Zukunft fest. „Das im Projektantrag beschriebene Ziel, anfangs 15 Betroffene und deren Angehörige einzubeziehen, konnte erreicht und noch weiter ausgebaut werden“, richtet Sandra Scheifinger abschließend den Blick auf die Anzahl der betroffenen Menschen. Tatsächlich wurden im Jahr 2017 insgesamt 226 Personen betreut; 41 davon hatten einen Migrationshintergrund. Von diesem kamen mehr als Hälfte aus der Türkei. Wie weit die Bandbreite gereicht hat, verrät ein Blick auf die Nationalität der anderen Teilnehmer: Diese reicht von Italien und Griechenland bis zur USA, Vietnam und der Russischen Föderation. „Wir haben unser Ziel, noch mehr passgenaue Angebote und die Spezialisierung durch mehrere Säulen, erreicht. Das DWO wird seinem Anspruch auf Expertentum für psychisch erkrankte Menschen und auf dem Gebiet der Migration gerecht“, rundet Bärbel Simon die Projektauswertung ab.

 

Kontakt und Informationen: Das Diakonische Werk Odenwald ist Träger psychosozialer Beratungs- und Betreuungsangebote und der soziale Dienst der evangelischen Kirche für den Odenwaldkreis. Die Angebote sind offen für alle Ratsuchenden, unabhängig von Religion oder sozialem Status. Termine können unter 0606196500 oder mail@dw-odw.de vereinbart werden. Mehr: www.diakonie-odenwald.de

Mitarbeitdende des DWO feiern einen Projektabschluss

 

Zum Pressefoto:

 

Das Foto ist von Natalia Schitz und ist zur Veröffentlichung frei gegeben. Textvorschlag:

 

Спасибо, sprich spasibo und übersetzt „danke Aktion Mensch“ steht auf der fliegenden Kiste. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werks Odenwald lassen sie fliegen bei der Feier anlässlich eines erfolgreich abgeschlossenen Projektes. Dabei ging es um ambulant betreutes Wohnen für Menschen mit Migrationshintergrund und mit einer seelischen Erkrankung. Im Rahmen dieses Projektes wurden Mitarbeitende intensiv geschult, aber auch Flyer für verschiedene Zielgruppen in fremde Sprachen übersetzt.