Wie der Integrationsfachdienst hilft, Arbeitsplätze für Schwerbehinderte zu finden und zu sichern

IFDUnter dem Begriff HePAS konnte Tobias Komnick sich anfangs nichts vorstellen. Im Januar 2016 endete sein befristeter Arbeitsvertrag und er wurde bei der Agentur für Arbeit vorstellig. Hier hörte er erstmals vom Hessischen Perspektivprogramm zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen (HePAS) und dem Integrationsfachdienst (IFD). Im Rahmen dieses Programms unterstützt und begleitet der IFD arbeitsuchende Schwerbehinderte durch eine individuelle und potentialorientierte Beratung im Prozess der Arbeitssuche. Tobias Komnick ist im Jahr 2005 an Multipler Sklerose erkrankt und seit geraumer Zeit auf den Rollstuhl angewiesen. Er wollte alle Möglichkeiten nutzen und schnell wieder einen Arbeitsplatz finden. So kam es zu einem ersten Termin beim Integrationsfachdienst. „Herr Komnick hatte sich im Laufe seines Berufslebens kontinuierlich fort- und weitergebildet. Das waren sehr gute Voraussetzungen für eine Vermittlung in ein neues Arbeitsverhältnis.“, so Kathrin Suderleith, Mitarbeiterin des IFD.

Menschen mit Behinderung haben Anspruch auf Beratung in allen Fragen der beruflichen Integration. So steht es im Neunten Sozialgesetzbuch. In Hessen liegt die Verantwortung in der Umsetzung beim Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbands und anderer Leistungsträger. Sie beauftragen sogenannte Integrationsfachdienste mit der Umsetzung des Beratungsauftrags. Im Odenwaldkreis wird dieser schon viele Jahre vom Diakonischen Werk Odenwald in Michelstadt wahrgenommen.

„Generell ist zu prüfen, ob eine Leistungsträger wie beispielsweise die Arbeitsagentur vorrangig zuständig ist, Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation zu übernehmen“, stellt die erfahrene Diplom-Sozialpädagogin vor, unter welchen Voraussetzungen das Programm greifen kann.

Ab Februar 2016 kam der gelernte Industriemechaniker und Maschinenbautechniker zu regelmäßigen Terminen in die Beratungsstelle. Hier wurde sehr individuell und gezielt nach geeigneten Stellen gesucht und Gespräche vorbereitet. „Es brauchte einige Anläufe und manche Bewerbungen liefen ins Leere“, erinnert sich Tobias Komnick. Durch den guten Kontakt des IFD zum Wirtschafts-Service der Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG) mbH und deren Verbindungen zur Industrievereinigung Odenwaldkreis (IVO) kam es zu einem Gespräch mit der Firma Engineering Services & Solutions (ESS) GmbH in Bad König. „Es freut uns besonders, dass Herr Komnick von der Vernetzung zwischen den Fachdiensten und der Wirtschaft so hervorragend profitieren konnte“, bescheinigt Kathrin Suderleith ihren Kooperationspartnern eine gute Zusammenarbeit. Heute ist der verantwortungsbewusste Techniker stolz darauf, seit 15. September 2016 wieder ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bei der Firma ESS zu haben. Für den Bad Königer Spezialist für Automatisierungstechniken war die Behinderung kein Thema. „Die fachliche Eignung stimmte und als Mensch hat er sofort zu uns gepasst!“, sagt Jutta Hörr, kaufmännische Leiterin der Firma ESS. Dass die Krankheit Tobias Komnick dazu gezwungen hat, im Rollstuhl sitzen zu müssen, sollte bei der beruflichen Rehabilitation kein Hindernis darstellen. Der neue Arbeitgeber zeigte sich offen für die speziellen Erfordernisse und die Agentur für Arbeit als zuständiger Reha-Träger stattete den Arbeitsplatz mit einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch, einem speziellen Bürostuhl und einer 3-D-Maus aus. Auch jetzt noch, fast ein Jahr später, steht der Integrationsfachdienst Tobias Komnick und seinem Arbeitgeber in allen Fragen rund um das Thema „Arbeit und Behinderung“ als unterstützender Fachdienst zur Seite.

Fördermöglichkeiten für die Beschäftigung von schwerbehinderten Fachkräften

HePAS bietet Unternehmen und Dienststellen finanzielle Anreize, um behinderte Menschen als Fachkräfte zu gewinnen. Gefördert werden Arbeitgeber, die schwerbehinderte Menschen einstellen, die arbeitslos oder arbeitssuchend sind. Bei Festanstellungen von schwerbehinderten Menschen können Arbeitgeber zusätzliche Einstellungsprämien in Höhe von bis zu 9.000 Euro erhalten, bei  Besetzung eines  Ausbildungsplatzes  in einem anerkannten Ausbildungsberuf mit einem schwerbehinderten Menschen eine Prämie von bis  zu  8.000 Euro. Gefördert werden auch  freiwillige Praktika im Rahmen der Arbeitssuche einmalig in Höhe von 1.000 Euro.

Gestartet ist der Integrationsfachdienst (IFD) Südhessen/Odenwaldkreis mit der Umsetzung des HePAS-Programms 2015 mit einem Beratungskontingent für fünf schwerbehinderte Arbeitssuchende. Im Jahr 2016 wurde die Menge der möglichen Unterstützungen auf zehn aufgestockt. Der steigenden Nachfrage und der erfolgreichen Vermittlungsarbeit wegen wurde auch 2017 das Beratungskontingent auf 15 Förderplätze erhöht. „Hinzu kommen pro Jahr zwei Plätze für die Heranführung Schwerbehinderter in Ausbildung“, fügt Barbara Lang der Aufzählung hinzu. Gemeinsam verfügen die beiden Beraterinnen über die Kapazitäten von 1,5 Planstellen. Die Beratungsarbeit für das HePAS-Programm nimmt einen vergleichsweise geringen Anteil ihrer Arbeitszeit ein; wenn auch mit steigender Tendenz. Der IFD-Auftrag konzentriert sich in erster Linie auf die Beratungs- und Unterstützungstätigkeiten für schwerbehinderte Arbeitnehmer, beispielsweise bei Problemen und Konflikten am Arbeitsplatz, in akuten Krisen und bei Veränderungen im Arbeitsumfeld wie beim Wiedereinstieg in den Beruf nach längerer Krankheit und zur beruflichen Weiterbildung. Aber auch die Beratung von Arbeitgebern zu allen Belangen im Zusammenhang mit der Beschäftigung Schwerbehinderter ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.

Kontaktanschrift:

Integrationsfachdienst Südhessen/Odenwaldkreis in Trägerschaft des Diakonischen Werks Odenwald, Bahnhofstraße 38, 64720 Michelstadt, Telefon 06061/9650-121.

Bildunterschrift:

Zur Beratung des Integrationsfachdiensts zählt auch die Kontaktpflege am Arbeitsplatz: Fachberaterin Kathrin Suderleith besucht Tobias Komnick im Büro der ESS GmbH in Bad König.

Text und Foto: Diakonisches Werk Odenwald