Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

Beratung rund um Multiple Sklerose ab sofort auch in Michelstadt

Beratung rund um Multiple Sklerose ab sofort auch in Michelstadt

Michelstadt, 02.09.2011: Landrat a. D. Horst Schnur brachte den Stein für eine Kooperation zwischen dem Diakonischen Werk Odenwald (DWO) und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) ins Rollen. Schon seit vielen Jahren suchte die Beratungsstelle Darmstadt des Landesverbandes Hessen der DMSG nach einem geeigneten Raum, um auch im Odenwald sesshaft zu werden. Ein kleiner Wink von Horst Schnur anlässlich der Buchvorstellung von Doris Friedrich im Januar dieses Jahres genügte, um den Stein ins Rollen zu bringen.

Die Autorin nahm Kontakt mit der Leiterin des Diakonischen Werkes Odenwald in Michelstadt, Bärbel Simon und deren Mitarbeiterin Beate Braner-Möhl auf und vermittelte zu Petra Tamleh von der DMSG-Beratungsstelle in Darmstadt. Somit stand einer zukünftigen Kooperation der beiden Institutionen nichts mehr im Wege.

Am vergangenen Mittwoch fiel der offizielle Startschuss für das neue Angebot im Rahmen einer Vorstellung ihrer Arbeit und zukünftigen Beratung im behindertengerechten Veranstaltungsraum des DWO in Michelstadt. Viele Interessenten waren der Einladung nachgekommen und verfolgten aufmerksam die Ausführungen von Bärbel Simon vom DWO sowie Petra Tamleh und Monika Dettke (Leiterin der Sozialen Dienste) vom DMSG LV Hessen.

Unter den Zuhörern befanden sich neben Landrat a. D. Horst Schnur und der Buchautorin Doris Friedrich auch die beiden Verwaltungsratsmitglieder des DWO Bernd Kreh und Frau Mengler vom Diakonischen Werk Hessen-Nassau, Heimleiterin Monika Beeh sowie der Sozialtherapeutische Leiter Herbert Fanese von der Pflege- und Therapieeinrichtung „Residenz Leben am Wald“ in Grasellenbach, die Physiotherapeutin Ruth Siegl aus Reichelsheim, etliche Mitarbeiterinnen des DWO und eine größere Zahl von MS-Betroffenen. Auch Dr. Gerd Reifschneider als Vertreter des Neurocentrums Odenwald in Erbach, des MSFO und Mitglied des Ärztlichen Beirates des DMSG LV Hessen kam – wenn auch etwas verspätet – noch hinzu.

Wie Bärbel Simon in ihren Ausführungen berichtete, möchte das Diakonische Werk Odenwald, das seit einem Jahr seinen Sitz in Michelstadt hat, sich weiter vernetzen und mit anderen Kooperationspartnern zugunsten der Behinderten im Odenwald zusammenarbeiten. Das DWO bietet Beratung, Begleitung und Unterstützung für Menschen in unserer Mitte, die vorübergehend oder dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind. Das Angebot ist vielfältig, weil es der Bedarf ebenfalls ist.

Monika Dettke dankte den Verantwortlichen des DWO sowie Horst Schnur und Doris Friedrich für deren Engagement. Sie freute sich, auch Ruth Siegl, die erst kürzlich das DMSG-Zertifikat „Physiotherapie bei Multipler Sklerose“ erhalten hat, unter den Gästen begrüßen zu können.

Dann stellte sie gemeinsam mit Petra Tamleh die Arbeit der DMSG vor, deren Leitfaden lautet „Wohnortnahe Beratung“. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Beratung, und zwar die individuelle Einzelberatung von MS-Betroffenen, Angehörigen, Pflegediensten und sonstigen Interessierten, sowohl im medizinischen, privaten, beruflichen, psychosozialen, als auch sozialrechtlichen Bereich. Aber auch Seminare, Freizeiten und gesellige Veranstaltungen stehen auf dem Programm.

Kurz und prägnant erläuterten die beiden Mitarbeiterinnen der DMSG, was MS eigentlich heißt, nämlich wenn man

… sich vorkommt, als ob man den ganzen Tag mit eingeschlafenen Beinen herumlaufen muss …
… bei jedem Schritt eine Seiltänzernummer durchführen muss …
… sich davor fürchtet, nicht mehr schnell genug auf die Toilette zu kommen …
… alles wackeln sieht, wie Pudding …
… ständig alles doppelt sieht …
… versucht, mit einem Wattebausch in der Hand zu schreiben …
… den Eindruck erweckt, betrunken zu sein, aber stocknüchtern ist …
… sich nicht mehr verständlich machen kann (verwaschene Stimme) …
… scheinbar eine 5 Kilo schwere Zunge hat …
… obwohl gut erzogen, beim Essen den Löffel auch mal in die andere Hand nimmt oder ihn fallen lässt …
… von einigen Freunden verlassen wird …
… keinem Vergleich mehr standhalten kann (weniger belastbar ist) …
… aus Furcht davor den Kontakt mit dem anderen Geschlecht lieber aus dem Weg geht (Partnerschaft)

Zukünftig findet die Beratungsstunde mit Petra Tamleh (Dipl.-Sozialpädagogin) jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr in den Räumen des DWO in Michelstadt, Bahnhofstraße 38 statt, erstmals am 7. September 2011. Um telefonische Anmeldung bei der MS-Beratungsstelle in Darmstadt (Telefon 06151/44666) oder dem Diakonischen Werk Odenwald (Telefon 06061/9650-0) wird gebeten. Aber auch Spontanbesucher sind willkommen.