Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

Vertrauen gewinnen, dann erst die Formalitäten erledigen

Vertrauen gewinnen, dann erst die Formalitäten erledigen

Migrationshintergrund und Behinderung

Migration und Behinderung_Am 15.09. fand eine Online-Fachkonferenz zum Thema „Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung“ statt. Sie war Teil der Veranstaltungsreihe im Rahmen der Interkulturellen Woche 2020 im Odenwaldkreis.

Veranstalter war das Diakonische Werk Odenwald mit seinem Projekt „Inklusive Nachbarschaft“, gefördert von der Glücksspirale. 16 Fach- und Führungskräfte aus dem Odenwaldkreis und der Region Bergstraße nahmen daran teil.

Frau Ayse Oluk berichtete als Referentin über die Arbeit der Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, Rika Esser. Hierbei stellte sie die drei Themenschwerpunkte „Arbeit und Beschäftigung“, „Barrierefreiheit“ und „Kommunen“ für die 20. Legislaturperiode vor. Im Anschluss referierte sie über den Zwischenbericht aus dem Projekt „Verbesserung der Teilhabe von Menschen an der Schnittstelle von Migration und Behinderung in Hessen (MiBeH)“ und stellte einen Leitfaden für eine inklusive interkulturelle sensible Beratung vor.

Im Projekt MiBeH unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Prof. Dr. Westphal der Universität Kassel wurden erstmals in einer groß angelegten Studie Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung interviewt. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Beauftragten, dem Hessischen Sozialministerium und der Universität Kassel. Das umfangreiche Material befindet sich noch in der Feinauswertung; trotzdem konnten bereits die ersten Handlungsempfehlungen vorgestellt werden. Aus dem Bericht geht u.a. hervor, dass bei Anträgen auf Versorgungs- und Unterstützungsleistungen viel Bearbeitungszeit nötig ist.

Außerdem sei der Abbau von sprachlichen Barrieren durch Einsatz von Dolmetschern, Infomaterial in verschiedenen Sprachen, einfache Sprache, Einstellung auch von Personen mit einem bilingualen oder Migrationshintergrund elementar wichtig, ebenso auch die interkulturelle Sensibilisierung der Fachkräfte im Rehabilitation-und Gesundheitswesen, Ausländer-und Sozialbehörden, Jobcenter, Integrationsämter usw.

Die teilnehmenden Fach- und Führungskräfte konnten hier direkt mit ihren Erfahrungen anschließen: Ulrike Werner-Paulus, Bereichsleiterin im ambulant Betreuten Wohnen beim Diakonischen Werk zur Veranstaltung: „Eine Quintessenz war für mich, dass wir in unseren Netzwerken auch über Ressourcen verfügen, die wir noch besser ausschöpfen könnten, z.B. unbürokratisch Übersetzer austauschen“. „Außerdem“, so Werner-Paulus weiter, „wurde sehr deutlich, dass Netzwerken wichtig ist, aber an oberster Stelle steht, sich mit den Menschen zu verbinden. Mit den Betroffenen in Beziehung gehen, dann erst die Formalitäten erledigen. Dafür braucht es Gespür, aber auch interkulturelle Kompetenz.“

Ein Thema, mit dem fast alle Teilnehmenden negative Erfahrungen hatten, ist die Zuständigkeitsklärung im Reha-Prozess. Nach § 14 SGB IX müsste das eigentlich innerhalb von zwei Wochen möglich sein. Man war sich einig drüber, dass diesbezüglich noch viel getan werden muss.

Bärbel Simon, Leiterin des Diakonischen Werks Odenwald, empfahl zum Schluss, unbedingt den Tag der offenen Moschee am 3. Oktober zu nutzen. „Hingehen, die Menschen ansprechen und eine Visitenkarte hinterlassen“, so ihre Worte. Die Interkulturelle Woche biete auch dieses Jahr trotz Corona viele Gelegenheiten mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Zum Programm: http://www.diakonie-odenwald.de/ikw/

Kontakt und Informationen: Gabriela Hund, Projekt „Inklusive Nachbarschaft“, Telefon 061646429477 oder hund@generationennetz-reichelsheim.de, http://www.odenwald-inklusiv.de/. [Träger dieses Projektes ist das Diakonische Werk Odenwald]

„In diesem Projekt wollen wir Menschen im gesamten Odenwaldkreis zum Thema Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention informieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. Wir wollen, dass alle Menschen dazu gehören können. In unserem Schwerpunktgebiet Oberes Gersprenztal wollen wir mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern mit und ohne Beeinträchtigungen, Vereinen, Institutionen und Kommunen gemeinsam entwickeln, wie Inklusion gehen kann.“

Informationen zur Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, Rika Esser: http://behindertenbeauftragte.hessen.de oder Ayse Oluk, lba@hmdis.hessen.de.

Glücksspirale