Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

26.03.2014 Fachtag gegen sexuelle Gewalt: „Bei uns doch nicht!“ – Was wenn doch?

26.03.2014 Fachtag gegen sexuelle Gewalt: „Bei uns doch nicht!“ – Was wenn doch?

 

Flyer Fachtag gegen sexuelle Gewalt 26.3.2014

 

Anmeldung unter: www.odenwaldkreis.de/fachtage
Infos unter: http://www.odenwaldkreis.de/index.php?id=364

 

 

Michelstadt,    26.03.2014,           9.00-17.00 Uhr              Odenwaldhalle

Mit diesem Fachtag möchten wir dem Anliegen vieler sozialer Fachkräfte entgegenkommen und Ihnen möglichst konkrete Hilfestellungen für Ihre tägliche Arbeit im Umgang mit dem Thema „Sexueller Missbrauch“ geben.

Für den Vormittag konnten wir Zartbitter Köln, eine der renommiertesten fachspezifischen Einrichtungen in Deutschland, gewinnen.

Sie werden ein Theaterstück für Erwachsene zeigen und im Anschluss wird Ursula Enders einen Vortrag halten, von dem sicher alle profitieren können.

Am Nachmittag wird der Arbeitskreis Missbrauch des Odenwaldkreises viele verschiedene themenzentrierte workshops anbieten, zu denen Sie sich gezielt vorab anmelden können.

 

A              Kindliche Sexualität – sexuelle Grenzüberschreitungen? Und was dann?

 In diesem Workshop wollen wir uns dem Thema „sexuelle Gewalt“ nähern, indem wir die Grenzen zwischen normaler kindlicher Sexualität und sexuellen Grenzüberschreitungen in Kindertageseinrichtungen genauer ausloten.

Anhand von Fallbeispielen (gerne auch aus dem Alltag der Teilnehmerinnen und Teilnehmer) sollen weitere Schritte für den Umgang mit der Thematik erarbeitet werden.

Gertrud Sieverding, Dipl.-Sozialpädagogin, Familientherapeutin,

Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, Michelstadt

 

B             Aufklärung = Selbstbestimmung

Sexualität und Grenzen als Unterrichtsthema für Lehrkräfte der Klassen 6-10

Aufklärung und der richtige Umgang mit Sexualität ist die Grundlage für die Achtung von Grenzen und der Bedürfnisse anderer Menschen in diesem Lebensbereich.

In diesem Workshop stehen konkrete Methoden zur Sexualaufklärung und damit auch das Thema Gefühle und Grenzen  im Sinne der Prävention von grenzüberschreitendem Verhalten im Mittelpunkt.

Sandra Veigl, Dipl.-Sozialpädagogin, Master of arts,

Leiterin der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, Michelstadt

 

C             Und was, wenn doch?  Prävention und Intervention in der Grundschule

„Was kann ich als Lehrkraft in der Grundschule tun, um Schülerinnen und Schüler vor Grenzverletzungen zu schützen?“

Präventionsmöglichkeiten und konkrete Handlungsschritte, die im Schulalltag leicht umgesetzt werden können und Sicherheit für das eigene Tun geben, werden in diesem Workshop gemeinsam erarbeitet.

Heike Beringer, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin,

Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, Michelstadt

 

D         Sexuelle Übergriffe unter Kindern – Dynamiken der Elternschaft verstehen und

besonnen handeln.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern in der Kita sind immer öfter Thema. Oft stellt es sich so dar, dass ein oder mehrere Kinder andere Kinder in sexualisierter Form bedrängen, psychischer Druck ausgeübt wird oder auch körperliche Gewalt stattfindet.

Werden derartige Vorfälle in der Elternschaft bekannt, entstehen emotionsgeladene Dynamiken, die oft schwer zu steuern sind. Der Friede in der Einrichtung droht zu kippen. Schnell kommt es zu Vorwürfen: wie konnte es soweit kommen, was ist mit der Aufsichtspflicht, welche nachhaltigen Sicherheitsmaßnahmen werden installiert? Lagerbildung entsteht, die Kinder drohen aus dem Blick zu geraten.

Der Workshop soll mehr Sicherheit für einen professionellen Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Kindern in einer Kita vermitteln und Hilfestellungen geben, wie die Elternarbeit im Spannungsfeld von Verständnis und Begrenzung gestaltet werden kann.

 

Angela Bucher, Dipl. Sozialpädagogin, Anne-Marie Eitel, Dipl. Sozialpädagogin, Beratungsstelle Deutscher Kinderschutzbund / BV Darmstadt e.V

 

E         Wenn Vielfalt Schule macht
Sexualisierte Gewalt kommt in den besten Schulen vor. Wenn Jugendliche zusammentreffen, treffen immer auch unterschiedliche Lebensweisen, Wertehaltungen und Orientierungen aufeinander. Nicht immer wird diese Vielfalt akzeptiert oder sogar wertgeschätzt. Schulen sind wahre „Schmelztiegel“.

Feindliche Haltungen gegen (sexuelle) Minderheiten äußern sich z.B. in Form von Ausgrenzung, Diskriminierung, Übergriffen oder Gewalt und entstehen durch Vorurteile, Ängste und Unwissen.

Jugendliche brauchen kompetente Erwachsene, die sich ernsthaft und sensibel mit ihren Themen und Erlebnissen auseinandersetzen, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne allgemeine Gefahren-Abwehrbrille. Aber mit der Authentizität einer Wertediskussion auf Augenhöhe.

Pädagoginnen und Pädagogen in Schule und Institutionen brauchen einen lebendigen Austausch, um eine eigene Kultur der Vielfalt entwickeln und (vor-)leben zu können.

Dieser Workshop beschäftigt sich mit unterschiedlichen Facetten sexualisierter Gewalt und den Handlungs- und Reaktionsmöglichkeiten. Damit Vielfalt Schule machen kann.

 

Helga Fehrmann, Dipl. Sozialpädagogin, Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes des Odenwaldkreises,
Anja Scheibel, Dipl. Sozialpädagogin, Sexualpädagogin, Diakonisches Werk

 

F             Umgang mit sexuellen Übergriffen im Kontext Schule
Tobias Knapp, Meike Laux, Team Schulpsychologie, Schulamt Heppenheim

 

G            Sexueller Missbrauch aus der polizeilichen Praxis
Vorstellen rechtlicher Grundlagen (Begriffsbestimmungen, Altersgrenzen, Verjährungsfristen) zum Thema „Sexueller Missbrauch“.

Darstellung und Ablauf eines Ermittlungsverfahrens / Strafverfahrens von der Anzeigenaufnahme bis zur Gerichtsverhandlungen. Aufzeigen von Problemfeldern bei der Strafverfolgung.

Allgemeine Anmerkungen zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern und deren Erscheinungsformen.

Beschreibung von Täterstrategien .Vorstellen von Präventionsmöglichkeiten. Besprechung von Fallbeispielen.

Harald Schmelzer, Polizeidirektion Erbach

 

H            Anwaltliche Beratung und Begleitung – auch jenseits des Strafverfahrens
Für die Geschädigten sexueller Gewalt und deren persönliches/institutionelles Umfeld stellt die undurchsichtige Struktur des Strafverfahrens eine besondere und zusätzliche Belastung dar.

Aber – muss oder soll eine Strafanzeige überhaupt erstattet, eine ärztliche Untersuchung durchgeführt werden oder wie sieht der weitere Ablauf des Verfahrens eigentlich aus – diese Fragen werden ganz häufig gestellt.

Die Zielrichtung der Betroffenen ist hierbei nicht immer die Einleitung eines Verfahrens und die Verurteilung des Täters oder die Höhe der Strafe. Vielmehr können Genugtuung und Öffentlichkeit aber auch familienrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen von Bedeutung sein – hier kommen insbesondere Maßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz sowie Schadensersatz und Schmerzensgeld in Betracht.

Ist ein Strafverfahren bereits eingeleitet, stehen dem Opfer weit reichende Befugnisse zur Verfügung, die eine aktive Teilhabe am Verfahren ermöglichen.

Im Vordergrund dieses Workshops steht die Aufklärung über die unterschiedlichen rechtlichen Möglichkeiten, sexualisierter Gewalt entgegenzutreten. Hierbei werden die außergerichtlichen und gerichtlichen Verfahrensweisen, zugleich aber auch deren Grenzen, aufgezeigt und anhand von Fallbeispielen erarbeitet.

 

Karina Netscher, Rechtsanwältin und Mediatorin,  Michelstadt

 

I              „Gut zu wissen“ Grundlegendes zu sexuellem Missbrauch

Jede Einrichtung, die mit Kindern oder Jugendlichen arbeitet, ist irgendwann mit dem Thema sexualisierte Gewalt konfrontiert, z.B. wenn ein Mädchen oder Junge betroffen ist oder die Vermutung von Missbrauch entsteht, aber auch dann, wenn Bezugspersonen fordern, zu diesem Thema (präventiv) etwas zu unternehmen.

In diesem Seminar geht es um grundlegendes Fachwissen zu sexualisierter Gewalt:

Wo beginnt sexualisierte Gewalt? Was ist kein sexueller Missbrauch?

Wer sind die TäterInnen und welche Strategien benutzen sie?

Welche Mädchen und Jungen werden leichter Opfer?

Welche Dynamik besteht zwischen Täter und Opfer?

Was macht eine Offenlegung so schwer?

Mit welchen Signalen weisen Kinder auf das Erlebte hin?

Wie können Unterstützende hilfreich reagieren?

Welche Unterstützung und Vernetzung brauchen professionelle HelferInnen?

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen macht Mut, (mehr) wissen zu wollen, genauer hinzuhören, Ideen und Chancen in der Beschäftigung mit dem Thema sexualisierte Gewalt zu sehen und zu nutzen.

 

Hannelore Schanz, Dipl. Sozialpädagogin, Wildwasser Darmstadt