Diakonie – der soziale Dienst der evangelischen Kirchen

Krisen nach der Geburt

geburt

 

Informationen und   Terminvereinbarung:
Cornelia Fingerloos (
06061) 9650-115
Anja Scheibel (06061) 9650-117

geschützte Anfrage unter: www.evangelische-beratung.info/schwanger-odw

 

 

Wer kennt nicht das Idealbild: nach der Geburt ist die Mutter erschöpft, aber überglücklich und hält ihr Neugeborenes liebevoll in den Armen. Alle Schmerzen der Geburt sind vergessen und die Familie genießt die neue Zeit mit Baby in vollen Zügen.

Schön, wer das so erleben kann. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Die viel beschriebenen Glücksgefühle wollen sich nicht so recht einstellen. Die Brust spannt, das Stillen klappt nicht richtig, das Baby schreit mehr als gedacht, die Hormone spielen verrückt, die vielen Gratulationsbesuche strengen an, ein Rhythmus will sich nicht einstellen, die Kräfte sind erschöpft – und die Anderen sagen „Stell dich doch nicht so an, es ist doch alles, wie wir es uns gewünscht haben“.

50 bis 80% aller Mütter sind innerhalb der ersten 14 Tage nach der Geburt vom sogenannten „Babyblues“ betroffen. Ein kurzfristiges Stimmungstief, wobei die Symptome wie Traurigkeit, häufiges Weinen, Erschöpfung, Schlaf- und Ruhelosigkeit meist schnell wieder von alleine vergehen. Der Babyblues ist nicht behandlungsbedürftig und ist eine Folge der körperlichen, hormonellen und psychischen Umstellung im Körper der Frau.

Bei jeder 10. bis 20. Mutter hält dieses Stimmungstief länger als nur einige Tage an; dies können Anzeichen einer Depression sein. Eine postpartale Depression kann jederzeit in den beiden ersten Jahren, vorrangig aber in den ersten Wochen nach der Geburt entstehen. Typische Kennzeichen können sein: Müdigkeit, Erschöpfung, Energiemangel, Traurigkeit, Schuldgefühle, Gefühl innerer Leere, ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber, Psychosomatische Beschwerden, Ängste bis hin zu Suizidgedanken.

Für ein Baby ist es elementar wichtig, eine sogenannte „3-V-Person“ zu haben: jemanden, der vertraut, verfügbar und verlässlich da ist und responsiv auf seine Bedürfnisse nach Nähe und Versorgung reagieren kann.

Mütter, die aufgrund einer postpartalen Krise nicht in der Lage sind, angemessen auf ihr Kind zu reagieren, weil ihnen die Kraft dazu fehlt, brauchen dringend Unterstützung: aus ihrem persönlichen Umfeld und durch professionelle Beraterinnen.

Seit dem 1. August 2013 bietet das Diakonische Werk Odenwald mit Sitz in Michelstadt ein spezifisches Beratungsangebot für Frauen in Krisen rund um die Geburt und natürlich auch für ihre Angehörigen an. Möglich wurde dies durch eine Projektfinanzierung des Odenwaldkreises im Rahmen der sogenannten „Frühen Hilfen“.

Die langjährige Beraterin in der Schwangerenberatung und der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB), Cornelia Fingerloos, nimmt sich Zeit für die individuelle Situation der Frau und der Familie, spricht mit ihnen über Gefühle, Gedanken, Zweifel und mögliche erschwerende Idealvorstellungen. Sie überlegt mit ihnen gemeinsam, welche kleinen und größeren Maßnahmen und Schritte die Situation entschärfen und verbessern können. Außerdem vermittelt sie gegebenenfalls weitere Hilfen oder in spezielle Einrichtungen.

Über dieses spezielle Angebot hinaus bietet das Diakonische Werk Beratung für alle Schwangeren und ihre Angehörigen zu allen Fragen rund um die Schwangerschaft. Wichtiger Bestandteil des Angebots ist die Vermittlung von finanziellen Hilfen zur Geburt aus der „Bundesstiftung für Mutter und Kind“ für Familien mit geringem Einkommen.

Frauen, die mit der Schwangerschaft hadern, ungewollt oder in schwierigen persönlichen Umständen schwanger sind, finden in der Schwangerenberatung ebenso Unterstützung und ein offenes Ohr wie Frauen, die sich in ihrer aktuellen Lebenssituation nicht vorstellen können, die Schwangerschaft auszutragen. Sie erhalten nach der Beratung die für einen Schwangerschaftsabbruch erforderliche Beratungsbescheinigung.

Auch Schwangere, die sich Sorgen um die Gesundheit ihres Ungeborenen machen, können sich z.B. vor der Entscheidung für eine Fruchtwasser- oder ähnliche Untersuchung oder auch danach fachkundig beraten lassen und gemeinsam mit der Beraterin überlegen, was sich im Falle einer pränatalen Diagnose verändern würde, welche Auswirkungen eine Entscheidung in die eine oder die andere Richtung hätte und welche Reaktions- und Lösungsmöglichkeiten es im Fall einer zu erwartenden Behinderung des Kindes geben könnte.