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„Afghanische Flüchtlinge brauchen Sicherheit“

„Afghanische Flüchtlinge brauchen Sicherheit“

Diakonie Hessen fordert einen Abschiebungsstopp für afghanische Flüchtlinge / Unsicherheit unter geflohenen Afghanen groß / Geplante Sammelabschiebung nach Afghanistan

 „Vor Reisen nach Afghanistan wird gewarnt.“ Seit langem gibt das Auswärtige Amt diese Reisewarnung heraus. Dennoch ist für den 18. Februar 2019 die 21. Sammelabschiebung angesetzt. „Es ist ganz klar, dass in Afghanistan mit Anschlägen, Terror, Gewalt und Tod täglich und überall gerechnet werden muss.

Diese Tatsache wird von der Politik ignoriert“, so Andreas Lipsch*, Leiter der Abteilung Flucht, Interkulturelle Arbeit und Migration bei der Diakonie Hessen. Trotz Reisewarnung werden jeden Monat ausreisepflichtige Afghanen von Deutschland nach Kabul abgeschoben. Im Januar hat auch Hessen wieder zwei Flüchtlinge auf den Abschiebeflug gesetzt.

 „Die Hessische Landesregierung betont, dass aus Hessen vorrangig Straftäter und sogenannte Gefährder abgeschoben werden“, sagt Lipsch weiter. „‘Vorrangig‘ heißt aber auch für unbescholtene afghanische Flüchtlinge, die ausreisepflichtig sind, dass jeder monatliche Abschiebungsflug sie in Angst und Schrecken versetzt. Afghanische Flüchtlinge brauchen Sicherheit. Die gibt es nur über einen Abschiebungsstopp. Wenigstens die Ausstellung längerfristiger Duldungen, so wie es im hessischen Koalitionsvertrag angekündigt war, muss schnell umgesetzt werden.“ In fast 60 Prozent aller Fälle wurden 2018 ablehnende Asylbescheide für Afghanen von den Gerichten aufgehoben und die Flüchtlinge erhielten schließlich ein Bleiberecht. Lipsch: „Diese Unsicherheit und zusätzlich die Hürden für den Einstieg in den hessischen Arbeitsmarkt lassen afghanische Flüchtlinge nicht bei uns ankommen.“

 

Hintergrund

Erfahrungen aus der Beratung von afghanischen Flüchtlingen in Hessen

„Viele Flüchtlinge aus Afghanistan sind verunsichert“, sagt Flüchtlingsberaterin Julia Störmer vom Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf. Afghanische Flüchtlinge suchen in aufenthaltsrechtlichen Fragestellungen auch die diakonischen Flüchtlingsberatungen in Hessen auf. Störmer berichtet von Ahmed G.** aus Afghanistan, der vor kurzem zu ihr kam. Der 22-Jährige sollte demnächst seinen Reisepass für eine Arbeitserlaubnis beim Ausländeramt abgeben. „Wenn ich meinen afghanischen Reisepass abgebe, kann ich auch abgeschoben werden“, sagte Ahmed G. verzweifelt. Eigentlich ist er ein junger, selbstbewusster Mann. Nun war er jedoch außer sich und zeigte der Flüchtlingsberaterin auf dem Smartphone Zeitungsartikel, in denen von der letzten Sammelabschiebung berichtet wird. Störmer erklärte ihm, dass in Hessen vorrangig Straftäter und sogenannte Gefährder abgeschoben werden und er hier vorerst keine Angst haben bräuchte. Ahmed G. verstand dies nicht und sagte: „Bayern gehört doch auch zu Deutschland“.

Immer wieder müssen die Flüchtlingsberater*innen der Diakonie Hessen Aufklärungsarbeit leisten und Flüchtlinge aus Afghanistan, denen keine Schutzstatus zuerkannt wurde, beruhigen.

 

„Die Ängste haben auch Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der geflohenen Afghanen“, sagt Helga Sievers, Flüchtlingsberaterin beim Diakonischen Werk Region Kassel, und erzählt von Farid S.**, der in ihre Beratung kam, einen Tag nachdem seine Duldung um drei Monate verlängert worden war. Farid S. erzählte Sievers, dass letztens ein Polizeiauto vor seiner Tür stand, als er mit seiner Mutter abends nach Hause kam. „Ich dachte, sie warten auf mich“, sagte er entsetzt. „Sie waren aber im Nachbarhaus“. Nachts wacht Farid immer wieder auf, kann nicht schlafen und seine Gedanken kreisen um eine mögliche Abschiebung. Obwohl er Schlaftabletten nimmt, bleibt die nächtliche Unruhe. Manchmal ist er deshalb tagsüber bei der Arbeit müde und unkonzentriert.

 

Gerne vermitteln wir Ihnen Interviews mit unseren Expert*innen und Flüchtlingsberater*Innen.

 

*Kontakt

Pfarrer Andreas Lipsch

Diakonie Hessen

Leiter Abteilung Flucht, Interkulturelle Arbeit, Migration

Interkultureller Beauftragter der

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Andreas.lipsch@diakonie-hessen.de

069-7947-6226

 

**Name wurde geändert

 

Gemeinsames Engagement für Flüchtlinge: Onlineportal Menschen-wie-wir.de

www.menschen-wie-wir.de ist das gemeinsame Onlineportal der Diakonie Hessen, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Bereich der Hilfe für geflohene Menschen. Ehren- und Hauptamtliche in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie alle an der Flüchtlingsthematik Interessierten finden dort nützliche Informationen für die praktische Arbeit sowie Service-Infos und Materialien zu unterschiedlichsten Themenfeldern. Darüber hinaus bietet die Seite Informationen zur Finanzierung von Projekten, evangelische Standpunkte zu Flucht und Migration, einen hessenweiten Veranstaltungskalender mit Fortbildungsangeboten und Fachtagungen sowie einen Überblick über Flüchtlingsinitiativen und Kontaktadressen in Diakonie und Kirche.

 

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